Hedda Hopper ist zurück – und zwar so gründlich, dass selbst der Tod eine Pressemitteilung dazu verfassen musste.
Einst gefürchtete (und geliebte) Klatschkolumnistin des goldenen Hollywood-Zeitalters, bekannt für ihre extravaganten Hüte und ihre noch extravaganteren Halbwahrheiten, wurde Hedda Hopper Jahrzehnte nach ihrem Ableben vom Bundesamt für magische Wesen (BAfmW) in einem streng geheimen, bürokratisch völlig überregulierten und moralisch mindestens fragwürdigen Verfahren wiederbelebt. Man munkelt, es habe zwölf Formulare, drei notarielle Beglaubigungen, einen verärgerten Erzengel und „eine nicht unerhebliche Menge Adrenochrom“ gebraucht. Details dazu sind – wenig überraschend – geschwärzt.
Heute arbeitet Frau Hopper in der Presseabteilung des BAfmW, wo sie genau das tut, was sie schon immer am besten konnte: Dinge schreiben, die sich hervorragend lesen, dabei aber nur lose, wenn überhaupt, mit der Realität verbunden sind. Ihre Kolumnen über die internationale magische Gesellschaft gelten als unverzichtbar – vor allem, wenn man sich nicht allzu sehr für Fakten interessiert.
Zu ihren Aufgaben gehört die Vorbereitung der öffentlichen Termine der BAfmW-Vizepräsidentin Gladween Greensteen, einer Dame von solcher Eleganz, dass selbst Zeitreisen für sie pünktlich stattfinden. Hedda sorgt dafür, dass jeder Auftritt dramatisch genug wirkt, um mehrere Parallelwelten gleichzeitig zu beeindrucken – und dass eventuelle Zwischenfälle (explodierende Feen, beleidigte Drachen oder diplomatische Verwicklungen mit Mittelerde) in der Presse als „charmante Unwägbarkeiten“ erscheinen.
Hedda Hopper kennt jeden
Doch ihr wahres Talent liegt im gesellschaftlichen Überblick: Hedda kennt jeden. Wirklich jeden. Ob lebendig, tot, untot oder „es kommt darauf an, in welcher Dimension Sie nachfragen“ – sie ist informiert. Sie berichtet gleichermaßen souverän über Vampirbälle in Transsilvanien, Elfenintrigen in Narnia, bürokratische Skandale auf der Scheibenwelt und Beziehungsdramen zwischen zwei Orks aus Mittelerde, die „einfach unterschiedliche Vorstellungen von Raubzügen“ hatten.
Ihre Texte sind gespickt mit Andeutungen, Gerüchten und Formulierungen wie „man hört“, „es wird gemunkelt“ und „aus gut unterrichteten Kreisen (ich selbst)“. Fakten werden dabei nicht ignoriert – sie werden lediglich kreativ neu interpretiert, neu arrangiert oder, wenn nötig, elegant umgangen.
Hedda Hopper ist damit genau das, was das BAfmW dringend brauchte: eine Pressesprecherin, die jede Krise in eine Geschichte verwandelt, jedes Gerücht in eine Schlagzeile und jede Realität in etwas deutlich Unterhaltsameres.
Und sollte jemand Zweifel an ihren Berichten äußern, pflegt sie nur zu lächeln, ihren Hut zu richten und zu sagen:
„Mein Lieber, die Wahrheit ist doch nur der langweiligste Entwurf einer guten Geschichte.“
